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Volkstrauertag 2019


Rede Bürgermeister Förtsch, Volkstrauertag 2019 - es gilt das gesprochene Wort




Anrede
 
Volkstrauertag - Trauer lässt sich doch nicht staatlich verordnen, sie ist ein sehr persönliches Gefühl. Doch gemeinsame Rituale wie diese Gedenkfeier bringen zum Ausdruck, dass niemand mit seiner Trauer alleine sein muss. Der heutige Volkstrauertag schützt uns davor, die Toten einfach zu vergessen. Auch die Ehren- und Kriegerdenkmale mit den Namen der gefallenen Soldaten tragen dazu bei, dass wir nicht vergessen.
 
Die Menschen, die in den beiden Weltkriegen starben, wurden Opfer einer barbarischen Zeit. Der Volkstrauertag erinnert uns an die Aufgabe, die sie uns hinterlassen haben, damit ihr Tod nicht sinnlos war. Sie mahnen uns, uns für eine Welt einzusetzen, in der Frieden, Freiheit und Gerechtigkeit herrscht.
 
Doch seit dem Ende des Zweiten Weltkrieges sind in über 200 Kriegen und Bürgerkriegen weitere Millionen von Toten zu beklagen.
 
Die Auseinandersetzungen im Nahen Osten und im Norden Afrikas haben Abertausende Todesopfer gefordert und zu einer Völkerwanderung ungeahnten Ausmaßes geführt. Die europäischen Nachrichten- und Geheimdienste sprechen davon, dass weltweit rund 71 Millionen Menschen auf der Flucht sind. Deutschland tut gut daran, im Rahmen seiner Möglichkeiten den Geflüchteten, die in ihrer Heimat um ihr Leben bangen müssen zu helfen.
 
Die schrecklichen Ereignisse in Madrid, Paris, Berlin, Barcelona und anderen Orten in den letzten Jahren haben uns auf schmerzhafteste Weise vor Augen geführt, wie fragil die öffentliche Sicherheit in Europa ist und wie hoch der Preis für grenzenlose Freiheit sein kann. Wir wollen heute auch den Opfern und Hinterbliebenen dieser feigen Anschläge gedenken.
 
Seit knapp 30 Jahren hat sich die militärische Ausrichtung unserer Bundeswehr verändert. Deutsche Soldaten übernehmen seither auch Verantwortung in Auslandseinsätzen und werden in Konfliktgebieten eingesetzt. Aktuell sind rund 3.000 Bundeswehrangehörige im Auslandseinsatz in Krisengebieten. Seit Beginn des der Auslandseinsätze sind insgesamt 114 tote deutsche Soldaten zu beklagen. 37 von ihnen sind - wie es im Militärjargon nüchtern heißt - "durch Fremdeinwirkung gestorben". Das heißt, sie wurden Opfer von Angriffen oder Anschlägen. Auch Ihnen gilt unser besonderes Gedenken.
 
"Die Toten verpflichten die Lebenden" - so mahnen weltweit Inschriften auf vielen Kriegsgräberstätten. Tragen wir alle dazu bei, dass diese Botschaft über den heutigen Tag hinaus die Menschen erreicht, gehört und verstanden wird.
 
Der Volkstrauertag ist ein Tag des Innehaltens, der Erinnerung, des Gedenkens. Er sollte aber auch Anlass zur Dankbarkeit dafür geben, dass wir seit 74 Jahren in unserem Land ohne Krieg leben, dass unsere Generation und unsere Kinder in einer freiheitlich verfassten Demokratie aufwachsen können.
 
Meine sehr geehrten Damen und Herren, erlauben Sie mir zum Schluss noch eine politische Anmerkung:
Angesichts der jüngsten Wahlergebnisse, z. B. wenn in Thüringen eine sog. Alternative (der Name wurde mit Bedacht gewählt) knapp ein Viertel der Stimmen erhält, wenn laut Umfragen nur die Wählergruppe der "über 60 jährigen" einen Wahlsieg dieser sog. Alternative verhindert hat - offensichtlich ist bei den über 60jährigen die Vernunft oder vielleicht auch die Erinnerung an die Auswirkungen von totalitären Systemen stärker ausgeprägt und wenn die Repräsentanten dieser Partei im Bundestag Sprüche wie "Wir werden sie dann auch in Anatolien entsorgen können." oder "Hitler und die Nazis sind nur ein Vogelschiss in über 1000 Jahren erfolgreicher deutscher Geschichte" ungestraft äußern können, sehe ich unsere freiheitliche Demokratie schon in Gefahr - hier muss Toleranz auch ihre Grenzen haben. Wir können es nicht akzeptieren, dass solche Parolen von führenden Parteirepräsentanten straffrei öffentlich geäußert werden können.
 
Setzen wir das Geschenk des Friedens und der Freiheit nicht aufs Spiel und erteilen wir der Großmannssucht und den nationalen Egoismen unserer Tage eine klare Absage.
 
 
Gedenken:
Wir denken heute an die Opfer von Krieg, Terrorismus und Gewalt. Wir gedenken der Soldaten, die in den Weltkriegen starben, der Menschen, die durch Kriegshandlungen oder danach in Gefangenschaft, als Vertriebene und Flüchtlinge ihr Leben verloren.
Wir gedenken derer, die verfolgt und getötet wurden, weil sie einem anderen Volk angehörten, einer anderen Rasse zugerechnet wurden, Teil einer Minderheit waren oder deren Leben wegen einer Krankheit oder Behinderung als lebensunwert bezeichnet wurde.
Wir gedenken derer, die ums Leben kamen, weil sie Widerstand gegen Gewaltherrschaft geleistet haben, und derer, die den Tod fanden, weil sie an ihrer Überzeugung oder an ihrem Glauben festhielten.
Wir trauern um die Opfer der Kriege und Bürgerkriege unserer Tage, um die Opfer von Terrorismus. wir trauern mit den Hinterbliebenen der NSU-Mordserie und der Familie des von einem Rechtsextremisten ermordeten Kassler Regierungspräsidenten Lübcke.
Wir trauern um die Bundeswehrsoldaten und anderen Einsatzkräften, die im Auslandseinsatz ihr Leben verloren.
Wir trauern mit allen, die Leid tragen um die Toten.
Aber unser Leben steht im Zeichen der Hoffnung auf Versöhnung unter den Menschen und Völkern, und unsere Verantwortung gilt dem Frieden unter den Menschen zu Hause und in der ganzen Welt.
Als äußeres Zeichen unseres Gedenkens aber auch zur Mahnung für den Einsatz für Frieden und Völkerverständigung lege ich hier einen Kranz an der Gedenkstätte nieder.




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